Wer heute durch die Stader Altstadt geht, begegnet den Schweden auf Schritt und Tritt: im Zeughaus am Pferdemarkt, im Schwedenspeicher am Hafen, im Wappen über dem Rathausportal. Dabei war die Zeit unter der nordischen Krone alles andere als friedlich. Sie begann mitten im Dreißigjährigen Krieg und endete mit einem Bombardement.
Ein Krieg wechselt die Herren
Die Blüte der Hansezeit trug Stade bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein – dann kam der Krieg in die Stadt. 1625 zogen dänische Truppen ein. 1628 eroberte der kaiserliche Feldherr Tilly Stade für die Katholische Liga, kurz darauf nahmen es die Schweden und hielten es bis 1636. Der Söldner Peter Hagendorf, dessen Tagebuch zu den bekanntesten Selbstzeugnissen dieses Krieges gehört, berichtet auch von Stade. Die wohlhabende Speichervorstadt Harschenfleth ging in dieser Zeit unter. Nach einer erneuten dänischen Besatzung eroberten die Schweden die Stadt im Februar 1645 endgültig.
Der Westfälische Friede von 1648 machte aus der Besatzung ein Recht. Das ehemalige Erzstift Bremen wurde säkularisiert und zusammen mit dem ebenfalls säkularisierten Hochstift Verden als Territorium Bremen-Verden der schwedischen Krone zugesprochen. Zum Hauptort erklärte man Stade. Der schwedische König regierte hier allerdings nicht als König, sondern als deutscher Reichsfürst, der seine Herzogtümer als Lehen vom Kaiser empfing. Beide Territorien behielten ihre Rechte und Privilegien – auf dem Papier eine Provinz des schwedischen Reiches, in der Praxis ein deutsches Fürstentum mit schwedischer Spitze.
Regierungsstadt und Festung
Als Sitz der Regierung bekam Stade Behörden, die weit über die Stadt hinauswirkten. 1651 erhielt die lutherische Kirche Bremen-Verdens ein Konsistorium mit Generalsuperintendent in Stade; für Rechtsstreitigkeiten führte der Instanzenweg bis zum 1653 gegründeten Wismarer Tribunal, dem obersten Gericht für die schwedischen Lehen im Reich. Erster Generalgouverneur war der Feldmarschall Hans Christoph von Königsmarck, der die Herzogtümer von 1646 bis zu seinem Tod 1663 verwaltete. 1651 in den schwedischen Grafenstand erhoben, ließ er sich im benachbarten Dorf Lieth ein kleines Schloss bauen und nannte es nach seiner Frau Agathe von Leesten Agathenburg – der Name des Ortes bis heute.
Vor allem aber wollte Schweden Stade zur Festung ausbauen. Der große Stadtbrand vom 26. Mai 1659, der zwei Drittel der Stadt vernichtete, gab dazu eine schmerzhafte Gelegenheit: Die Stadt wurde mit unverändertem Grundriss wieder aufgebaut, doch die Befestigungsanlagen aus der Zeit nach dem Brand waren neu – und sind zum Teil bis heute erhalten. 1667/68 entstand auch das Rathaus neu, über dessen Portal seither das schwedische Staatswappen prangt.

Belagert und zurückerobert
Die schwedische Herrschaft blieb umkämpft. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg von 1675 bis 1676 eroberte ein Bündnis mehrerer Reichsstände und Dänemarks das Herzogtum. Stade, Hauptsitz der schwedischen Statthalterschaft, wurde von Anfang April bis zum 13. August 1676 belagert und blieb bis zum Kriegsende 1679 in alliierter Hand. Erst der Friede von Saint-Germain gab Bremen-Verden im selben Jahr an Schweden zurück.
Wirtschaftlich zählte in dieser Zeit vor allem der Elbzoll. An der Schwingemündung in Brunshausen bestand seit erzbischöflichen Zeiten eine Zollstation; die Schweden stationierten dort 1663 erstmals eine Elbzollfregatte als ständiges Wachschiff. Die Einrichtung überdauerte alle späteren Herrschaftswechsel bis 1850, die Zollstation auf der Schwinger Schanze sogar bis 1865.
Bauen für die Garnison
Truppen und Verwaltung wollten versorgt sein. Um 1660 entstand auf dem Gelände des Georgsklosters ein erstes Lagerhaus, das aber bald wieder abgerissen wurde, weil es den Ansprüchen nicht genügte. 1690 kaufte die Verwaltung drei Grundstücke am alten Hansehafen, auf denen vor dem Brand von 1659 niedrige Wohnhäuser gestanden hatten. 1692 begannen die Fundamentarbeiten für den Proviantspeicher, dann ruhte der Bau jahrelang – vermutlich aus Geldmangel und weil Material und Arbeiter für andere Baustellen gebraucht wurden. Erst 1703 ging es weiter; 1704 stand der Rohbau, Ende November 1705 war das Gebäude fertig. Verbaut wurden dabei 176.326 Steine aus dem nach 1682 abgebrochenen Schloss in Bremervörde. Die Schweden nutzten ihren Speicher am Ende nur sieben Jahre.

Bomben, Pest und ein Verkauf
Das Ende kam im Großen Nordischen Krieg. Dänische Truppen belagerten die Stadt und beschossen sie vom 29. August bis zum 7. September 1712. 152 Wohnhäuser – ein Viertel der bebauten Fläche – wurden zerstört; im selben Jahr wütete zudem die Pest. Die schwedische Herrschaft war damit faktisch beendet. Nach einer kurzen dänischen Zwischenzeit erwarb das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, also Hannover, 1715 die Herzogtümer durch Kauf; im Vertrag von Stockholm gab Schweden am 17. November 1719 seine Ansprüche endgültig auf.
Zurück blieb eine geschwächte Stadt, deren Hafen nach Bränden und Belagerungen keine Modernisierung mehr erfahren hatte – und ein Ensemble aus Zeughaus, Speicher, Wallanlagen und Rathausportal, das die 67 Jahre unter schwedischer Krone bis heute im Stadtbild lesbar macht.
Galerie

Quellen
- Wikipedia: Stade (Abschnitt Schwedenfestung) (08/2026)
- Wikipedia: Bremen-Verden (01/2026)
- Wikipedia: Schwedenzeit (03/2026)
- Wikipedia: Königsmarck (Adelsgeschlecht) (08/2026)
- Wikipedia: Schwedenspeicher-Museum (01/2025)
- Wikipedia: Erzstift und Herzogtum Bremen (05/2025)



