Karte der Elbmündung von 1721
Foto: Samuel Gottlieb Zimmermann und Johann Otto Hasenbanck (Stich: Christian Fritzsch) · Public domain
Stadtblog
Geschichte ·

Von Hannover bis Preußen — Stade als Verwaltungsstadt 1715–1866

Nach den Schweden kamen die Welfen, dann Napoleon, dann Preußen. Wie Stade vom Fernhandel Abschied nahm und zur Behörden- und Garnisonsstadt wurde, deren Erbe bis heute sichtbar ist.

Als 1715 die schwedische Zeit endete, war Stade erschöpft: Der Hafen veraltet, die Pest gerade überstanden, der Fernhandel abgewandert. Was blieb, war die Rolle als Sitz von Verwaltung und Militär — und die füllte die Stadt in den folgenden anderthalb Jahrhunderten unter hannoverscher, französischer und preußischer Herrschaft aus.

1715: Verkauft an Hannover

Das Herzogtum Bremen-Verden mit seiner Hauptstadt Stade war im Großen Nordischen Krieg 1712 von dänischen Truppen erobert worden. Dänemark verkaufte das Gebiet 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, das gemeinhin Kurhannover genannt wird; Stade kam so „durch vertragliche Vereinbarung“ an die Welfen. Schweden gab seine Ansprüche am 17. November 1719 im Vertrag von Stockholm endgültig auf. Damit endete eine Konfrontation, die Stade fast ein Jahrhundert lang zur umkämpften Festung gemacht hatte.

Wirtschaftlich stand die Stadt schlecht da. Brände, Belagerungen und das dänische Bombardement von 1712, bei dem ein Viertel der bebauten Fläche zerstört wurde, hatten den Hafen ohne Modernisierung gelassen. 1712 war zudem die Pest ausgebrochen. Im Fernhandel verlor Stade an Gewicht — Hamburg lag zu nah. Was der Stadt blieb, war ihre strategische Lage: Sie blieb Garnison und wurde Sitz der Verwaltung für die ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden.

Landdrostei Stade

Im Kurfürstentum und späteren Königreich Hannover wurde das Gebiet der alten Herzogtümer Bremen und Verden zusammen mit dem Land Hadeln als Landdrostei Stade verwaltet — eine Mittelbehörde zwischen der Regierung in Hannover und den Ämtern vor Ort. Dieser Zuschnitt erwies sich als erstaunlich dauerhaft: Er blieb über die preußische Zeit hinaus als Regierungsbezirk Stade bis 1978 bestehen und prägt bis heute den Wirkungsbereich von Institutionen wie dem Landschaftsverband Stade, der 1963 gegründet wurde und die Kulturarbeit im Elbe-Weser-Dreieck bündelt.

Das Kreishaus des Landkreises Stade
Das Kreishaus des Landkreises Stade — Foto: hh oldman · CC BY 3.0

Franzosen, Präfektur, Kaiserreich

Die napoleonische Zeit brachte Stade in wenigen Jahren mehrere Herren. Am 18. Juni 1803 nahmen französische Truppen die Stadt ein; nach ihrem Abzug wechselten bis 1806 verschiedene europäische Besatzungen. Von März bis Dezember 1810 saß in Stade die Präfektur des Departements der Elbe- und Weser-Mündung, das zum napoleonischen Königreich Westphalen gehörte. Anschließend wurde die Stadt bis 1813 als Teil des Département des Bouches de l’Elbe direkt dem französischen Kaiserreich einverleibt. Erst danach kehrte sie zum Königreich Hannover zurück, das 1814 aus dem Kurfürstentum hervorgegangen war.

1866: Preußen übernimmt

Der Krieg zwischen Preußen und Österreich 1866 entschied auch über Hannover: Das Königreich hatte auf der Verliererseite gestanden und wurde als Provinz Hannover in den preußischen Staat eingegliedert. Für Stade bedeutete das keinen Bruch, sondern eine Umbenennung mit Aufwertung. Aus der hannoverschen Landdrostei wurde der preußische Regierungsbezirk Stade, der im Wesentlichen die historischen Herzogtümer Bremen und Verden umfasste. 1885 entstand innerhalb dieses Bezirks der erste Kreis Stade — der Ursprung des heutigen Landkreises.

Der Regierungsbezirk überlebte das Kaiserreich, die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus. 1946 wurde er Teil des neuen Landes Niedersachsen und bestand als niedersächsischer Regierungsbezirk Stade fort, bis ihn die Bezirksreform 1978 auflöste. Bis dahin waren die Landkreise Stade, Cuxhaven, Osterholz, Rotenburg (Wümme) und Verden in Stade verwaltet worden. Das „Regierungsgebäude“ an der Bahnhofstraße, einst Sitz des preußischen Regierungspräsidenten, erinnert an diese Rolle.

Garnison, Beamte, Gerichte

Bis zur Ansiedlung der Großindustrie Anfang der 1970er-Jahre prägten Bezirksregierung und Militär das gesellschaftliche Leben Stades. Die Stadt war Verwaltungs- und Garnisonsstadt, in der Beamte, Offiziere und Juristen den Ton angaben. Dieses Erbe ist bis heute an der Dichte staatlicher Einrichtungen abzulesen: In Stade sitzen Amts-, Land-, Sozial-, Verwaltungs- und Arbeitsgericht, das Staatsarchiv, das Katasteramt und die Agentur für Arbeit für einen Bezirk, der weit über den Landkreis hinausreicht. Für eine Stadt mit rund 48.000 Einwohnern ist das eine ungewöhnliche Ausstattung — und sie geht direkt auf die Landdrostei und den Regierungsbezirk zurück.

Das Heimatmuseum (1904) am Wall
Das Heimatmuseum (1904) am Wall — Foto: Gerd Fahrenhorst · CC BY 4.0

Ein Kanal, der nie gebaut wurde

Dass Stade seine Hafenrolle nicht ganz vergessen hatte, zeigt ein Projekt aus der Zwischenkriegszeit: Zwischen 1919 und 1922 entstand der Plan eines Kanals vom Mittellandkanal bei Bramsche über die Weser bei Achim bis zur Elbe bei Stade, zunächst „Bramsche-Stade-Kanal“, später „Hansakanal“ genannt. Verwirklicht wurde er nie; in den 1950er-Jahren wurde er endgültig zu den Akten gelegt. Die Zukunft der Stadt lag nicht in Kanälen, sondern — gut ein halbes Jahrhundert später — in Chemie, Aluminium und Flugzeugbau an der Elbe.

Quellen

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