Wer nach Stade zieht, hört schnell Namen wie Hohenwedel, Kopenkamp, Ottenbeck oder Bützfleth — und weiß zunächst nicht, wo das alles liegt und warum manche Orte einen eigenen Ortsrat haben. Die Antwort steckt in der Geschichte der Stadt: Stade ist aus einem Kern innerhalb der Wälle, mehreren Vorstädten und einem Kranz ehemaliger Dörfer zusammengewachsen.
Der Kern: die Altstadt auf der Schwingeinsel
Das historische Zentrum liegt auf der sogenannten Schwingeinsel innerhalb der ehemaligen Wallanlagen und wird vom Burggraben umschlossen. Hier stehen die beiden Altstadtkirchen, das Rathaus, der Pferdemarkt und der Hansehafen. Bis ins 19. Jahrhundert endete die Stadt praktisch an den Festungswerken; erst als die Befestigung zu Grünanlagen umgewidmet wurde, konnte sie darüber hinauswachsen.
Das geschah Ende des 19. Jahrhunderts entlang der Ausfallstraßen — und die Namen der neuen Viertel erinnern bis heute an die alten Stadttore: die Kehdingertorsvorstadt im Norden, die Hohentorsvorstadt im Süden und die Schiffertorsvorstadt im Westen. In den 1960er Jahren kam im Osten das Altländer Viertel hinzu.

Die alten Dörfer rundherum
Viele heutige Stadtteile waren einmal selbständige Bauerndörfer, an die die Stadt im Lauf der Zeit heranwuchs. Im Süden sind das Campe, Klein Thun, Groß Thun, Barge und Riensförde, im Südwesten Hahle und Haddorf, im Westen der Hohenwedel, im Norden Bützfleth und Schölisch. Die Lücke zwischen Klein Thun und der Hohentorsvorstadt schließt die Siedlung Kopenkamp. Heute sind diese Stadtteile vor allem Wohnvororte mit jeweils eigenem Charakter.
Ein besonderer Fall ist Ottenbeck: Der Stadtteil entstand erst ab Ende der 1990er Jahre auf dem Gelände der früheren Von-Goeben-Kaserne, nachdem die Bundeswehr den Standort 1994 aufgegeben hatte. Wohnen und Gewerbe teilen sich dort das ehemalige Militärgelände.
Wie die Stadt gewachsen ist
Die Eingemeindungen zogen sich über das ganze 20. Jahrhundert: Am 1. November 1924 kamen Brunshausen und Stadersand an der Schwingemündung zur Stadt, 1925 der Bützflether Ortsteil Hörne, 1926 die Gemeinde Campe, 1935 Barge und 1938 der größte Teil der aufgelösten Gemeinde Einstellige Höfe. Den größten Sprung brachte die niedersächsische Gebietsreform: Am 1. Juli 1972 wurden Bützfleth, Haddorf, Hagen, Schölisch und Wiepenkathen eingegliedert.
Vier Ortschaften mit eigenem Rat
Aus dieser Reform stammt eine Besonderheit, die Neubürger oft verwundert: Stade besteht aus dem Stadtzentrum und vier Ortschaften — Bützfleth (mit Abbenfleth, Bützflethermoor und Götzdorf), Haddorf, Hagen (mit Steinbeck) und Wiepenkathen. Anders als die übrigen Stadtteile haben diese vier eigene kommunale Vertretungen, die Ortsräte. Wer dort wohnt, wählt also nicht nur den Stadtrat, sondern auch eine Vertretung für den eigenen Ort.

Bützfleth — Dorf, Industrie und Elbe
Die größte dieser Ortschaften ist Bützfleth an der Unterelbe, das sich selbst als „Tor zu Kehdingen“ bezeichnet. Der Ort gehört zu den am tiefsten gelegenen Deutschlands: Je nach Ortsteil liegt er 1,6 Meter unter bis 1,8 Meter über Normalhöhennull, besonders tief das Bützflethermoor. Zu Bützfleth zählen verwaltungsmäßig auch Depenbeck, Kreuel, Abbenfleth, Götzdorf, das Götzdorfer Moor und das Bützflethermoor.
Erstmals erwähnt wurde „Buttesvlethe“ Anfang des 12. Jahrhunderts; Funde belegen aber eine Besiedlung schon im 1. Jahrhundert. Jahrhundertelang bestimmten Elbschifffahrt und Obstbau das Dorfleben, bei der Sturmflut von 1962 wurden Teile des Ortes überschwemmt. Mit der Industrieansiedlung ab 1972 wandelte sich Bützfleth zum Vorort: Neubaugebiete kamen hinzu, die alte Mischung aus Landwirtschaft, Schifffahrt und Handwerk wich zunehmend dem Wohnen. Der Alte Landesschutzdeich bildet dabei bis heute die natürliche Grenze zwischen Wohnbebauung und dem Industriegebiet auf dem Bützflether Sand.
Praktisch für den Alltag
Für Behördengänge macht es keinen Unterschied, in welchem Stadtteil man wohnt — zuständig ist die Stadt Stade. Die Ortsräte der vier Ortschaften sind aber die erste Adresse, wenn es um Themen vor Ort geht, etwa den Erhalt des Bützflether Freibads, zu dem sich die Stadt bei der Eingemeindung 1972 verpflichtet hatte. Bützfleth ist über eine Überlandbuslinie der KVG mit Stade und Kehdingen verbunden; der nächste Bahnhof ist Stade.
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