Mitten in Stade, nur ein paar Schritte vom Wall entfernt, liegt eine kleine Insel im Burggraben. Sie ist ein Überbleibsel der schwedischen Festung — und seit über hundert Jahren ein Freilichtmuseum, das man ohne Eintritt und ohne Öffnungszeiten betreten kann. Gleich nebenan, am Wall, steht das Heimatmuseum von 1904.
Vom Bleichplatz zum Ravelin
Bevor die Schweden Stade zur Festung ausbauten, lagen zwischen den späteren Bastionen Königsmarck und Gründel die Bürgerbleiche und eine private Bleiche: Wiesen, auf denen die Stader ihr gewaschenes Leinen in der Sonne bleichten. 1662 entstanden die beiden Bastionen, und in den Jahren 1692 bis 1694 wurde aus dem Rest der Bleichwiesen das Bleicher-Ravelin gebaut — ein vorgelagertes Festungswerk im Wassergraben. Das ist die heutige Insel.
Eine kuriose Episode gehört zu ihrer Geschichte: Im Sommer 1773 stellte der Göttinger Philosoph und Astronom Georg Christoph Lichtenberg hier sein Feldobservatorium auf, um im Rahmen der kurhannoverschen Landesvermessung die geografische Position Stades zu bestimmen.
Badeanstalt, Gaststätte, Fährkahn
Nach dem Ende der militärischen Nutzung wandelte sich die Insel Schritt für Schritt: 1825 wurde eine Militärbadeanstalt eingerichtet, 1846 eröffnete die erste Gaststätte, die man damals nur mit einem Fährkahn erreichte. Später verbanden eine Brücke zur Wiesenstraße und eine Schwimmbrücke zur Inselstraße die Insel mit der Stadt. Schon 1891 wollte die Stadt das Gelände kaufen, doch die Militärverwaltung verpachtete es weiter an den Gastwirt Brauer.

Ein Museum entsteht
Ab 1903 gab es Pläne für ein Freilichtmuseum; 1908/09 nahm Bürgermeister Ado Jürgens, zugleich Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins, die Sache in die Hand. Als die Witwe des Gastwirts den Pachtvertrag kündigte, konnte die Stadt die Insel 1909 vom Militär erwerben. Zunächst sollte hier eine Haushaltungsschule gebaut werden — Bohrungen zeigten jedoch Moorboden bis in sechs Meter Tiefe, und die Schule wanderte an einen anderen Platz. Am 1. April 1910 überließ die Stadt die Insel dem Verein im Erbbaurecht.
Die Gestaltung übernahmen der Architekt Emil Högg und der Bremer Gartenarchitekt Christian Roselius. 1912 entstand die Inselgaststätte, das Insel-Haus, ein Halbhofhaus von 1841 aus Varel bei Scheeßel. 1913 erwarb der Verein das Altländer Haus, ein Marschbauernhaus von 1733 aus Huttfleth im Alten Land. Im selben Jahr brannte das Inselhaus ab — trotzdem standen 1914 beide Gebäude wieder auf der Insel.
Was heute zu sehen ist
Das Altländer Haus ist das Herzstück: ein sogenanntes Kübbungshaus mit Diele, Flett und Kammerteil, dessen dreimal vorgekragter Giebel mit Buntsteinmauerwerk reich verziert ist. Im Sommerhalbjahr kann man es gegen ein kleines Entgelt von innen besichtigen. Weitere Bauten kamen erst ab 1967 hinzu: eine Bockwindmühle von 1632 aus Rethmar (1967), ein Göpelwerk aus dem 17. Jahrhundert (1969), ein Steinbackofen (1970) und die Altländer Prunkpforte aus Twielenfleth von 1791 (1972). Dazu gehört ein Immenzaun, wie er früher Bienenstöcke schützte.
Das Inselhaus brannte am 3. Dezember 1992 nach einer Brandstiftung vollständig ab. An seiner Stelle wurde 1993/94 das Haus Himmelpforten Nr. 6 rekonstruiert, dessen Giebel aus dem Jahr 1641 stammt.

Das Heimatmuseum am Wall
Unweit der Insel steht das Heimatmuseum, ein neugotischer Backsteinbau aus dem Jahr 1904. Es gehört zu den Museen, die die Stadt in ihrer Übersicht führt — neben dem Schwedenspeicher-Museum am Hansehafen, dem Kunsthaus am Wasser West, dem Museumsschiff Greundiek und der Festung Grauerort an der Elbe. Zusammen mit der Insel bildet das Heimatmuseum den grünen, ruhigen Museumsbereich am Rand der Altstadt, den viele Besucher übersehen, weil er nicht am Hafen liegt.
Der beste Zugang: vom Wall aus über die Holzbrücke. Wer im Sommer kommt, kann das Altländer Haus besichtigen; die Freiflächen der Insel sind das ganze Jahr über offen.
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Quellen
- Wikipedia: Freilichtmuseum auf der Insel (10/2025)
- Wikipedia: Stade (Abschnitt „Museen“) (08/2026)



