Das Bürgermeister-Hintze-Haus am Wasser West
Foto: Morn the Gorn · CC BY-SA 3.0
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Das Bürgermeister-Hintze-Haus — eine Fassade, die zweimal gebaut wurde

Sieben Türmchen, tropfende Goldbuchstaben, Sandstein und Stuck: Die Prunkfassade von 1621 am Wasser West wurde 1930 abgetragen und 1932/33 Stein für Stein wieder aufgebaut. Ein Rundgang mit Nachbarn.

Am Wasser West, der Fußgängerzone entlang des Alten Hansehafens, fällt ein Haus sofort ins Auge: eine grauweiße Sandsteinfront mit geschweiftem Giebel, sieben kleinen Türmchen und einer Fülle manieristischer Ornamente. Das Bürgermeister-Hintze-Haus ist das schönste Beispiel der Weserrenaissance in Stade. Was kaum jemand ahnt: Die Fassade stand nicht immer so da, wie sie heute steht.

Ein Bürgermeister, der Schiffe besaß

Benannt ist das Haus nach Heino Hintze, Reeder und Kaufmann, der von 1617 bis 1646 Bürgermeister der Stadt war — in den unruhigen Jahrzehnten des Dreißigjährigen Krieges, als dänische, kaiserliche und schwedische Truppen einander in Stade ablösten. Das Gebäude selbst war ein typisches spätmittelalterliches Kaufmannshaus mit dem Giebel zum Hafen; Hintze ließ ihm 1621 die prachtvolle Schauseite vorblenden, die es seither berühmt macht.

Die Fassade besteht aus grauweißem Werkstein mit Flächen aus verputztem Backstein. Über dem Portal und den Fenstern ziehen sich Stuckornamente im Stil des Manierismus, dazwischen „tropfende“ Goldbuchstaben — eine Inschrift, deren Lettern nach unten auszulaufen scheinen. Den Prunkgiebel krönen sieben Türmchen. Stilistisch steht das Haus dem Bremer Gewerbehaus sehr nahe, das Johann Nacke 1619 bis 1621 errichtete; die Handwerker kannten offenbar dieselben Vorlagen.

Die Renaissance-Fassade des Bürgermeister-Hintze-Hauses (1621)
Die Renaissance-Fassade des Bürgermeister-Hintze-Hauses (1621) — Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0

1930: Abriss. 1932: Wiederaufbau.

Drei Jahrhunderte am Wasser hinterließen Spuren. Überschwemmungen und ein schlechtes Fundament hatten das Haus so baufällig gemacht, dass es 1930 abgerissen werden musste. Doch die Fassade wollte niemand aufgeben: Das alte Material wurde gesichert und 1932/33 wieder aufgerichtet — dahinter entstand ein verkürzter Neubau. Wer heute vor dem Haus steht, sieht also die Steine von 1621 in einem Gefüge aus den 1930er Jahren. Ein Beitrag im „Niederdeutschen Heimatblatt“ von 1931 dokumentierte die „Wiederherstellung einer historischen Stätte“ schon während der Arbeiten.

Heute wird das Gebäude als Wohn- und Gewerbehaus genutzt. Der Blick von der gegenüberliegenden Hafenseite, bei tiefstehender Sonne, ist einer der meistfotografierten in Stade.

Portal und Fassadenschmuck des Hintze-Hauses
Portal und Fassadenschmuck des Hintze-Hauses — Foto: Pauli-Pirat · CC BY-SA 4.0

Die Nachbarn am Wasser West

Das Hintze-Haus steht nicht allein. Direkt daneben liegt das Goeben-Haus, in dem 1816 August Karl von Goeben geboren wurde, später preußischer General der Infanterie; sein jüngerer Bruder William, ebenfalls General, kam 1818 in Stade zur Welt. 1822 erwarb Gottlieb Wilhelm Freudentheil das Haus — Abgeordneter im Paulskirchenparlament von 1848 und ein Wegbereiter des modernen Anwaltsstandes. Er lebte hier bis zu seinem Tod 1869.

Wenige Schritte weiter, am Ende der Fußgängerzone, steht der Schwedenspeicher von 1705, seit 1977 Museum. Am Hafen selbst erinnert die Stadtwaage von 1753 an die Zeit, als hier Waren gewogen und verzollt wurden; bis ins 19. Jahrhundert diente sie als Zollhaus. Mitte der 1970er Jahre sollte das Fachwerkgebäude abgerissen werden — und der Rat erwog damals sogar, den tausend Jahre alten Hansehafen zuzuschütten und einen Parkplatz anzulegen. Es kam anders: Hafen und Bausubstanz blieben erhalten, die Stadtwaage ist saniert und wird als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. 1977 bekam der Hafen zudem einen hölzernen Tretkran nach Lüneburger Vorbild, an der Stelle, wo bis 1898 der Stader Salzkran von 1661 gestanden hatte.

Und wer vom Wasser West in die Hökerstraße abbiegt, kommt an der Löwenapotheke vorbei: Ihr Privileg erteilte 1655 der schwedische König Karl X. Gustav dem Apotheker Gabriel Luther. Die Offizin ist noch mit Mahagonimöbeln von 1867 eingerichtet, und das Kaufmannstreppenhaus im Inneren gilt als typisches Beispiel für die Diele eines mittelalterlichen Gildehauses.

Warum sich der Umweg lohnt

Das Wasser West ist auf wenigen hundert Metern eine kleine Geschichte des Bürgertums an der Unterelbe: ein Reeder, der 1621 seinen Wohlstand in Sandstein meißeln ließ, eine Familie preußischer Generäle, ein liberaler Parlamentarier, schwedische Proviantmeister, Zöllner und Apotheker. Die Häuser stehen so dicht, dass man alles in einer halben Stunde ablaufen kann — und am Ende doch länger bleibt. Details und Adressen im Bereich Sehenswürdigkeiten.

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Fachwerkhäuser am Wasser West
Fachwerkhäuser am Wasser West — Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0

Quellen

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