Das Zeughaus am Pferdemarkt (1697–1699)
Foto: hh oldman · CC BY 3.0
Stadtblog
Orte & Bauwerke ·

Zeughaus, Wall und Burggraben — was von der Schwedenfestung Stade übrig blieb

Ein Waffenarsenal am Pferdemarkt, ein Grab aus dem 14. Jahrhundert im Keller und ein grüner Ring aus Gräben und Bastionen: Die Festung ist verschwunden, ihre Spuren prägen die Stadt bis heute.

Wer heute um die Stader Altstadt spaziert, folgt einem Wasserlauf mit Trauerweiden, Ruderbooten und alten Brücken. Kaum etwas erinnert daran, dass dieser Burggraben einst Teil einer der wichtigsten Festungen im schwedischen Norddeutschland war. Ein Gebäude aber steht noch: das Zeughaus am Pferdemarkt, gebaut in den letzten Jahren der Schwedenzeit — und errichtet auf einer Kirche.

Eine Insel in der Schwinge

Die Stader Altstadt liegt auf einer Insel. Die Schwinge und der Burggraben umschließen den historischen Kern, der innerhalb der ehemaligen Wallanlagen liegt. Befestigt war der Ort schon früh: Nach dem Aussterben der Grafen von Stade fiel die Stadt an Heinrich den Löwen, der sie vereinte und mit Wall und Graben umgab. Die Hansestadt des Mittelalters kam damit lange aus — bis der Dreißigjährige Krieg und die Schweden alles änderten.

Die Schwedenfestung

1625 zogen dänische Truppen ein, 1628 eroberte Tilly die Stadt für die Katholische Liga, kurz darauf kamen bis 1636 die Schweden, dann wieder die Dänen. Im Februar 1645 nahmen die Schweden Stade endgültig; der Westfälische Friede von 1648 sprach ihnen die Herzogtümer Bremen und Verden zu, und Stade wurde Regierungssitz. Generalgouverneur war Hans Christoph von Königsmarck, ein erfolgreicher Feldherr des Krieges, den Königin Christina 1651 in den Grafenstand erhob — vor den Toren der Stadt ließ er sich das kleine Schloss Agathenburg bauen, benannt nach seiner Frau Agathe.

Schweden wollte Stade zur Festung ausbauen. Der große Stadtbrand vom 26. Mai 1659, dem zwei Drittel der Stadt zum Opfer fielen, wurde dabei fast zum Anlass: Die Stadt wurde mit unverändertem Grundriss wieder aufgebaut, zugleich entstanden die schwedischen Befestigungswerke, von denen bis heute Teile erhalten sind. Dass die Festung ernst genommen wurde, zeigte der Schwedisch-Brandenburgische Krieg: Von Anfang April bis zum 13. August 1676 lag Stade als Hauptsitz der schwedischen Statthalterschaft unter Belagerung, blieb bis 1679 in der Hand der Gegner und fiel dann durch den Frieden von Saint-Germain an Schweden zurück.

Der Burggraben, Rest der alten Festungsgräben
Der Burggraben, Rest der alten Festungsgräben — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de

Das Zeughaus am Pferdemarkt

In den Jahren 1697 bis 1699, also ganz am Ende der Schwedenzeit, entstand am Pferdemarkt das Zeughaus als Waffenarsenal der Garnison. Der Bauplatz hatte Geschichte: Hier stand zuvor die St.-Georgs-Kirche aus dem 12. Jahrhundert, Kirche des Klosterviertels, dessen Mönche im 16. Jahrhundert maßgeblich die Reformation in Stade vorangetrieben hatten. In St. Georg war 1363 der Bremer Erzbischof Gottfried von Arnsberg beigesetzt worden, der in Stade gestorben war — sein Grab ist im Untergeschoss des Zeughauses bis heute erhalten.

Das Zeughaus überlebte die Festung um Jahrhunderte. Bis Ende der 1980er Jahre diente es als Kino sowie als Konzert- und Theatergebäude; heute ist es ein gastronomisch genutztes Baudenkmal mitten auf dem zentralen Altstadtplatz. Zwei Kanonen vor dem Eingang erinnern an die ursprüngliche Bestimmung.

1712: Das Ende unter Bomben

Die schwedische Herrschaft endete im Großen Nordischen Krieg. Vom 29. August bis zum 7. September 1712 belagerten dänische Truppen die Stadt und beschossen sie; 152 Wohnhäuser, ein Viertel der bebauten Fläche, wurden zerstört. Stade ging an Dänemark und 1715 an Hannover. Der Schwedenspeicher am Hafen, erst 1705 fertiggestellt, hatte den Schweden gerade sieben Jahre als Provianthaus gedient.

Blick vom Wall auf die Altstadt
Blick vom Wall auf die Altstadt — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de

Vom Wall zum Park

Als die Festung militärisch bedeutungslos geworden war, wurde aus Wehranlagen Grün. Ende des 19. Jahrhunderts widmete die Stadt die Befestigung in Parkanlagen um — und wuchs zugleich über sie hinaus: Entlang der Ausfallstraßen entstanden die Kehdingertorsvorstadt im Norden, die Hohentorsvorstadt im Süden und die Schiffertorsvorstadt im Westen; die Namen der alten Stadttore leben in ihnen fort. Auf einer der Bastionen steht das Heimatmuseum, und der Burggraben trägt bis heute Namen wie Güldensternbastion.

Der Graben selbst ist mehr als eine Kulisse. Aus einem Teil des Burggrabens ging der Holz- oder Floßhafen hervor, der durch die Salztorsschleuse vom 1880 gebauten Stadthafen getrennt ist und bis zur Fußgängerbrücke an der Güldensternbastion reicht. Seinen Namen verdankt er einer Sägerei und einer Holzhandlung, die hier ihre Lagerplätze hatten; lange nutzte ihn der Stader Seglerverein als Winterlager, heute liegen dort Hausboote und eine Bootsvermietung. Über den Burggraben ist der Holzhafen bis heute mit dem Alten Hansehafen verbunden — der Wasserring der Festung funktioniert also noch, nur friedlicher.

Ein Rundgang um den Burggraben dauert eine gute Stunde und führt an Freilichtmuseum, Heimatmuseum und Holzhafen vorbei. Adressen und Hinweise im Bereich Sehenswürdigkeiten.

Galerie

Brücke über den Burggraben
Brücke über den Burggraben — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de
Das Zeughaus im Winter
Das Zeughaus im Winter — Foto: Schrader1964 · CC BY-SA 3.0
Panorama des Pferdemarkts
Panorama des Pferdemarkts — Foto: hh oldman · CC BY 3.0

Quellen

Portal mitgestalten Fehlt hier ein Ort oder hat sich etwas geändert? Sag Bescheid — ich prüfe und ergänze es.