Die Mündung der Schwinge in die Elbe bei Stadersand
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Die Schwinge — der Fluss, dem Stade seinen Hafen verdankt

33 Kilometer vom Hohen Moor bis zur Elbe: Die Schwinge trägt seit tausend Jahren Schiffe nach Stade. Über Gezeiten, Schleusen, ein Sperrwerk und die alte Zollstation an der Mündung.

Ohne die Schwinge gäbe es Stade nicht — jedenfalls nicht dort, wo es heute liegt. Der Fluss schuf die natürliche Anlegestelle, aus der um das Jahr 1000 der Hansehafen wurde. Heute teilt eine Schleuse den Fluss in einen ruhigen Oberlauf und einen Unterlauf, in dem Ebbe und Flut regieren.

Vom Moor zur Elbe

Die Schwinge ist ein linker Nebenfluss der Elbe und rund 33,4 Kilometer lang. Sie entspringt im Hohen Moor bei Mulsum auf der Stader Geest, in einem Gebiet, in dem sich das Wasser zwischen Oste und Schwinge teilt. Von dort fließt sie in einem weitgehend natürlichen, mehr als 20 Kilometer langen Oberlauf nach Stade. Das Schwingetal südwestlich der Stadt gilt mit seinen Mäandern, Wiesen, Auwäldern und alten Buchen- und Eichenbeständen an den Talhängen als eine der schönsten Landschaften des Landkreises und steht bis in das Stadtgebiet hinein unter Landschaftsschutz.

In Stade selbst umfließt der Fluss die Altstadt. Das historische Zentrum liegt auf einer Insel, die vom Burggraben — einem Rest der früheren Festungsgräben — umschlossen ist. Etwa vier Kilometer nordöstlich des Zentrums, bei Stadersand, mündet die Schwinge bei Elbkilometer 654,8 in die Unterelbe.

Ein Name aus dem Altsächsischen

Urkundlich erscheint der Fluss erstmals im 13. Jahrhundert als „Swenge“. Der Name geht wahrscheinlich auf das altsächsische Verb „swingan“ zurück — schwingen, sich ausbreiten. Gemeint ist wohl der Unterlauf, dessen Wasserstand mit den Gezeiten schwankt. Der Stadtname Stade wiederum bedeutet im Mittelniederdeutschen schlicht Ufer oder Hafen; beide Namen erzählen also vom selben Ort am Wasser.

Salztorschleuse: Wo die Tide endet

Seit 1792 trennt das Siel an der Salztorschleuse den Oberlauf vom Tidefluss. Oberhalb der Schleuse schwankt der Pegel nur um wenige Dezimeter, unterhalb beginnt der Bereich von Ebbe und Flut. Der mittlere Tidenhub im Unterlauf ist infolge der Elbvertiefungen auf 3,30 Meter gestiegen. Trotz der Deiche säumen den Unterlauf schmale Streifen Süßwasserwatt — ein Lebensraum, der in Deutschland ausgesprochen selten ist.

Die 4,6 Kilometer von der Elbe bis zur Salztorschleuse sind Bundeswasserstraße; hier gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, zuständig ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg. Oberhalb von Stade ist die Schwinge nicht schiffbar.

Das Schwingesperrwerk an der Mündung
Das Schwingesperrwerk an der Mündung — Foto: ItDozent · CC BY-SA 3.0

Das Sperrwerk von 1971

Die Sturmflut vom Februar 1962 hat auch in Stade Spuren hinterlassen. Als Konsequenz entstand nahe der Mündung das Schwingesperrwerk, das 1971 fertiggestellt wurde. Seine 16 Meter breite Öffnung lässt sich mit zwei Stemmtoren verschließen; seitdem sind alle Orte am Fluss deutlich besser vor Sturmfluten geschützt. Innerhalb der Stadt kam ein Schwingewehr mit einer darüber gebauten Straße hinzu — mit der Folge, dass der alte Hansehafen seit 1968 vom Unterlauf abgeschnitten und nicht mehr schiffbar ist.

Drei Häfen an einem Fluss

Der Hansehafen am Fischmarkt ist mehr als tausend Jahre alt und heute ein stilles Wasserbecken mitten in der Altstadt. Weil seine Kapazität längst nicht mehr ausreichte, wurde 1880 der Stadthafen, auch Neuer Hafen genannt, gebaut. Er liegt direkt hinter dem Schwingewehr, ist der Tide ausgesetzt und bei Niedrigwasser nicht anzulaufen — heute vor allem eine kleine Marina und Ausgangspunkt für Ausflugsschiffe. Südlich schließt der Holz- oder Floßhafen an, durch die Salztorschleuse vom Stadthafen getrennt. Er ist aus einem Teil des Burggrabens hervorgegangen, verdankt seinen Namen einer früheren Sägerei und Holzhandlung und beherbergt heute Hausboote und eine Bootsvermietung.

Die Schwinge am Holzhafen mit Blick auf die Stadt
Die Schwinge am Holzhafen mit Blick auf die Stadt — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de

Ewer, Zollfregatte und Wikingerschwerter

Vom Spätmittelalter bis in die 1950er-Jahre transportierten flache Ewer Güter über die Schwinge. Bei Ausbaggerungen des Flusses und des Hansehafens kamen unzählige historische Fundstücke ans Licht, darunter die berühmten Schwerter mit der Inschrift „Ulfberht“ aus dem 8. bis 12. Jahrhundert — Belege für die Bedeutung des Ortes schon in der Wikingerzeit.

An der Mündung lag über Jahrhunderte eine Elbzollstation in Brunshausen, die bereits zur Zeit der Bremer Erzbischöfe bestand. Die Schweden stationierten dort 1663 erstmals eine Elbzollfregatte als ständiges Wachschiff. Die Einrichtung überdauerte mehrere Herrschaftswechsel bis 1850; die Zollstation auf der Schwinger Schanze arbeitete bis 1865. Heute erinnert daran nur noch die Landschaft: Wo einst Zöllner Schiffe kontrollierten, liegt der Fluss ruhig zwischen Deichen, und auf dem Unterlauf sind fast nur noch Sport- und Freizeitboote unterwegs.

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Boote am Holzhafen an der Schwinge
Boote am Holzhafen an der Schwinge — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de
Bogenbrücke an der Schwinge
Bogenbrücke an der Schwinge — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de
Der Burggraben, Rest der alten Festungsgräben
Der Burggraben, Rest der alten Festungsgräben — Foto: Raboe001 · CC BY-SA 3.0 de

Quellen

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