Der Elbstrand bei Bassenfleth
Foto: Alraunenstern · CC BY-SA 4.0
Stadtblog
Natur & Umland ·

Die Elbe vor Stade — Strand, Deiche und die Fähre nach Glückstadt

Der Strom ist Grenze, Verkehrsweg und Ausflugsziel zugleich. Wo Stader an die Elbe gehen, wie die Fähre Wischhafen–Glückstadt seit 1919 fährt und was das Land Kehdingen ausmacht.

Stade liegt nicht direkt an der Elbe, aber die Elbe ist nie weit. Vier Kilometer hinter der Altstadt mündet die Schwinge in den Strom, und wenige Kilometer weiter beginnen Sandstrand, Deichwiesen und der Blick auf die Schiffe nach Hamburg. Wer die Elbe queren will, muss aufs Wasser: Bis Hamburg gibt es keine Brücke.

Ein Fluss ohne Brücke

Zwischen Stade und der Nordsee gibt es keine feste Elbquerung, und auch elbaufwärts führt die nächste Straßenbrücke erst durch Hamburg. Für die Region ist das prägend: Das Ufer gegenüber, die schleswig-holsteinische Marsch um Glückstadt, ist nah und doch nur per Schiff erreichbar. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es sogar den Plan eines „Hansakanals“, der bei Stade von der Elbe abzweigen und über die Weser bis zum Mittellandkanal führen sollte; in den 1950er-Jahren wurde er endgültig aufgegeben.

Die Unterelbe ist hier ein Tidefluss mit starken Wasserstandsschwankungen. Das machte sie auch für die Kernkraftwerke entlang des Stroms zu einem schwierigen Kühlwasserlieferanten — das Kraftwerk Stade an der Schwingemündung ist wie Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel inzwischen stillgelegt. Ein eigener Beitrag zur Industrie an der Elbe folgt in diesem Blog.

Strand bei Bassenfleth

Wer im Sommer Sand unter den Füßen möchte, fährt nach Bassenfleth in der Nachbargemeinde Hollern-Twielenfleth. Dort liegt ein Sandstrand direkt am Strom, mit Blick auf vorbeiziehende Containerschiffe und die Windräder am anderen Ufer. Die Fotos in diesem Beitrag zeigen den Strand bei Ebbe, wenn das Watt freiliegt, und die Deichlandschaft dahinter. Auf den Elbdeichen weiden Schafe — sie halten das Gras kurz und verdichten mit ihren Tritten die Grasnarbe, was den Deich stabil hält. Bei Wind sind auf der Elbe Kitesurfer unterwegs; im strengen Winter 2012 trieben sogar Eisschollen den Strom hinab.

Eisgang auf der Elbe (Februar 2012)
Eisgang auf der Elbe (Februar 2012) — Foto: HansESchmidt · CC0

Kehdingen: das Land hinter dem Deich

Nordwestlich von Stade, zwischen Schwinge und Oste, erstreckt sich das Land Kehdingen. Es ist eine flache Marsch- und Moorlandschaft, die durch Eindeichungen zum Teil unter dem Meeresspiegel liegt. Für Zugvögel ist die Gegend ein wichtiger Rastplatz; viele Außendeichsflächen stehen unter Naturschutz. Vier Elbinseln werden Kehdingen zugerechnet: Krautsand, Gauensieker Sand, Asseler Sand und Bützflether Sand.

Historisch hatte Kehdingen unter der Landesherrschaft des Erzstifts Bremen eine eigene Verfassung, die vor allem den Deichbau regelte, und war ab 1541 als Landstand auf den bremischen Landtagen vertreten. Bis 1932 gab es einen eigenen preußischen Kreis Kehdingen mit dem Hauptort Freiburg an der Elbe; dann ging er im Landkreis Stade auf. Die Wirtschaft ist bis heute landwirtschaftlich: Ackerbau in den jungen Marschen, Milchwirtschaft, etwas Obstbau nach Altländer Vorbild und Pferdezucht. Lange Zeit prägten außerdem Ziegeleien das Ufer — der Klinkerbedarf des nahen Hamburg war groß, besonders beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Leuchtturm an der Elbe bei Twielenfleth
Leuchtturm an der Elbe bei Twielenfleth — Foto: Morn the Gorn · CC BY-SA 3.0

Die Fähre Wischhafen–Glückstadt

Die wichtigste Verbindung über den Strom ist die Fähre zwischen Wischhafen im Landkreis Stade und Glückstadt im Kreis Steinburg. Sie ist Teil der Bundesstraße 495 und damit eine „schwimmende“ Straße. Der Fährbetrieb wurde 1919 von Ernst Sturm gegründet, einem Kapitän, der Kap Hoorn umsegelt hatte. Über drei Generationen blieb das Unternehmen in Familienhand, bis es Mitte 2020 von der Flensburger Reederei FRS übernommen wurde.

Die Elbe ist an dieser Stelle etwa dreieinhalb Kilometer breit, die Fahrstrecke misst rund viereinhalb Kilometer und dauert etwa 25 Minuten. Tagsüber fahren in beide Richtungen zwei Schiffe pro Stunde, bei starkem Andrang alle 20 Minuten. Die vier eingesetzten Fähren sind einander ähnlich und fassen jeweils rund 55 Pkw; die älteste, die „Glückstadt“, wurde bereits 1959 gebaut, die jüngste, die „Wischhafen“, 1988 auf der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde. Für Radfahrer ist die Fähre die günstigste Möglichkeit, von Niedersachsen an die Westküste Schleswig-Holsteins zu gelangen — die nächste Querung liegt erst zwischen Lühe und Wedel.

Die Reederei hat ein Konzept mit vier bis sechs elektrischen Fähren vorgestellt, das die Überfahrt auf etwa 14 Minuten verkürzen soll. Parallel dazu wird seit Jahren die feste Elbquerung der Autobahn A 20 bei Glückstadt geplant, die wegen hoher Kosten umstritten ist.

Die Deutsche Fährstraße

Die Elbfähre ist zugleich Station der Deutschen Fährstraße, einer rund 250 Kilometer langen Ferienstraße von Kiel nach Bremervörde, die im Mai 2004 eröffnet wurde. Sie verbindet etwa 50 Brücken, Schleusen, Sperrwerke und Fähren — darunter die letzten beiden Schwebefähren Deutschlands in Rendsburg und Osten an der Oste sowie handgezogene Seilfähren wie die in Gräpel. Im Landkreis Stade gehören die Elbfähre in Wischhafen, das Ostesperrwerk und die Prahmfähren in Brobergen und Gräpel dazu. Wer also an einem Wochenende die Elbe erleben will, kann in Stade starten, am Strand entspannen, mit der Fähre übersetzen und über die Oste zurückkehren.

Galerie

Sandstrand an der Elbe bei Bassenfleth
Sandstrand an der Elbe bei Bassenfleth — Foto: Alraunenstern · CC BY-SA 4.0
Kitesurfer auf der Elbe
Kitesurfer auf der Elbe — Foto: Mozzihh · CC BY-SA 4.0
Die Unterelbe aus der Luft
Die Unterelbe aus der Luft — Foto: Andrzej Otrębski · CC BY-SA 4.0

Quellen

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