Der Schwedenspeicher am Hansehafen, heute Museum
Foto: JoachimKohler-HB · CC BY-SA 4.0
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Der Schwedenspeicher — vom Provianthaus der Garnison zum Museum

Ein Backsteinspeicher am Hansehafen, den die Schweden nur sieben Jahre nutzten — und der heute tausend Jahre Stadtgeschichte und die Archäologie des Elbe-Weser-Raums zeigt.

Am Alten Hansehafen steht ein wuchtiger Backsteinbau mit hohem Krüppelwalmdach, der älter wirkt als fast alles um ihn herum. Seine Geschichte reicht tatsächlich in die Zeit zurück, als Stade eine schwedische Festungsstadt war. Heute beherbergt der Schwedenspeicher das Museum für Archäologie und Geschichte des Elbe-Weser-Raums — und ist selbst eines der wichtigsten profanen Barockdenkmäler Norddeutschlands.

Ein Lagerhaus für die schwedische Garnison

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fielen die Herzogtümer Bremen und Verden 1648 als Kriegsentschädigung an die schwedische Krone. Stade wurde Sitz der schwedischen Verwaltung und sollte zur Festung ausgebaut werden. Truppen und Beamte brauchten Vorräte, und Vorräte brauchten ein Dach. Ein erstes Lagerhaus, um 1660 auf dem Gelände des St.-Georgs-Klosters errichtet, genügte den Ansprüchen nicht und wurde wieder abgerissen. 1690 kaufte die Verwaltung deshalb der Nikolaikirche drei Grundstücke am alten Hansehafen ab. Dort hatten bis zum großen Stadtbrand von 1659 niedrige Wohnhäuser gestanden.

Der Bau zog sich hin. 1692 begannen die Gründungsarbeiten, 1694 waren die Fundamente fertig — dann ruhte die Baustelle jahrelang, vermutlich weil Geld, Baumaterial und Handwerker für andere Vorhaben in der Festungsstadt gebraucht wurden. Zwar bewilligte man 1699 und 1700 insgesamt 8.000 Reichstaler, doch erst 1703 ging es unter dem Baumeister Luder Seebeck und dem schwedischen Proviantmeister Ketelson weiter. Die Ausführung lag beim Ratszimmermeister Andreas Henne und dem Maurermeister Anton Dreyer. Für das Mauerwerk wurden mehr als 176.000 Steine aus dem nach 1682 abgebrochenen Schloss Bremervörde wiederverwendet. Ende November 1705 war das Haus einschließlich der Schreibstube im Erdgeschoss bezugsfertig; die Schlussrechnung wies Baukosten von 16.354 Reichstalern aus.

Wer also an einer Stelle liest, der Speicher stamme von 1692, und an anderer, er sei 1705 entstanden, hat beide Male recht: Das eine Datum ist der Baubeginn, das andere die Fertigstellung.

Nur sieben Jahre in schwedischer Hand

Die Ironie der Geschichte: Die schwedische Militärverwaltung nutzte ihr Provianthaus lediglich sieben Jahre als Getreidespeicher. 1712 endete die Schwedenzeit an der Unterelbe. Stade ging mit allen Bauten aus dieser Epoche zunächst an Dänemark und 1715 an das Kurfürstentum Hannover, dessen Militär den Speicher weiter nutzte. 1909 kaufte die Stadt Stade das Gebäude und verpachtete es an Frachtschiffer. Als die Frachtschifffahrt in den 1960er Jahren zum Erliegen kam, verlor der Speicher seine Aufgabe und drohte zu verfallen.

Ewer „Willi“ vor dem Schwedenspeicher
Ewer „Willi“ vor dem Schwedenspeicher — Foto: JoachimKohler-HB · CC BY-SA 4.0

Vom Speicher zum Museum

In den 1970er Jahren wuchs der Wunsch, das Haus als Museum zu nutzen. Ab 1975 wurde es umfassend restauriert; 1976 gründeten der Landkreis Stade, die Stadt und der Stader Geschichts- und Heimatverein einen gemeinsamen Trägerverein. Am 30. November 1977 öffnete das Schwedenspeicher-Museum — passend zur Stadtgeschichte mit einer Sonderausstellung über die Wikinger. Seit 2011 trägt es den Namen Museum Schwedenspeicher, 2012 wurde die Dauerausstellung im Zuge eines Innenausbaus grundlegend neu gestaltet.

Das Gebäude ist dabei selbst ein Exponat: 41 Meter lang, 16 Meter breit, zwei Vollgeschosse und ein hohes, ziegelgedecktes Krüppelwalmdach, das noch einmal zwei Ebenen und den Dachboden aufnimmt. Innen tragen zwei Reihen hölzerner Ständer die Deckenbalken und gliedern den Raum in drei Schiffe. Die Schauseite zum Fischmarkt schmückt ein Sandsteinportal mit Segmentbogen; darüber sitzt eine Kartusche mit dem Monogramm C XII — für den schwedischen König Karl XII. — unter einer Königskrone. Ein zweites Sandsteinportal an der Nordseite ist seit dem Umbau von 2012 teilweise durch einen Außenaufzug verdeckt.

Das Sandsteinportal des Schwedenspeichers
Das Sandsteinportal des Schwedenspeichers — Foto: Benutzer:Lämpel · CC BY-SA 3.0

Was es zu sehen gibt

Das Erdgeschoss dient Veranstaltungen und Sonderausstellungen und erzählt die Stadtgeschichte in komprimierter Form — mit Funden aus dem Stader Hansehafen, die zu den bedeutenden Hafenfundkomplexen Europas zählen. Im ersten Obergeschoss geht es um die Hanse; hier steht unter anderem ein Modell der „Adler von Lübeck“ im Maßstab 1:50, und der Stand der Hanseforschung wird am Beispiel Stades erläutert.

Das zweite Obergeschoss gehört der Archäologie: Zu sehen sind die Kleidung der eisenzeitlichen Moorleiche, des sogenannten Mannes von Obenaltendorf, die vier Stader Bronzeräder aus der Zeit um 1000 vor Christus, der jungsteinzeitliche Goldarmring von Himmelpforten, der Flintdolch von Wiepenkathen sowie die Beigaben aus dem Fürstengrab von Apensen und dem Kriegergrab von Harsefeld. Ein besonderes Stück ist die 2017 bei Fredenbeck entdeckte Goldmünze mit dem Bildnis Kaiser Konstantins I., geprägt 342/343 im heutigen Kroatien — ein weltweit einmaliges Exemplar. Darüber liegen Verwaltung, ein Veranstaltungsraum und die Museumsbibliothek.

Die Arbeit des Hauses wurde mehrfach gewürdigt: 2013 mit dem Museumspreis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, 2015 und 2022 mit dem Museumsgütesiegel des Museumsverbands Niedersachsen und Bremen; der 2012 erschienene Ausstellungsführer erhielt einen Red Dot Design Award.

Der Schwedenspeicher steht am Ende der Fußgängerzone Wasser West, nur wenige Schritte vom Bürgermeister-Hintze-Haus und dem Tretkran entfernt — mehr dazu im Bereich Sehenswürdigkeiten.

Galerie

Historische Zeichnung des Schwedenspeichers
Historische Zeichnung des Schwedenspeichers — Foto: unbekannter Urheber · Public domain
Der Schwedenspeicher vom Wasser West aus gesehen
Der Schwedenspeicher vom Wasser West aus gesehen — Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0

Quellen

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