Alter Hansehafen mit Traditionsschiff, Blick auf Wasser West
Foto: Fyrtaarn · CC BY-SA 4.0
Stadtblog
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Der Alte Hansehafen: Tausend Jahre Wasser mitten in der Stadt

Um 1000 angelegt, um 1300 in heutige Form gebracht, 1968 vom Tidestrom getrennt und in den 1970ern fast zugeschüttet: der Hafen, der Stade groß gemacht hat.

Der Alte Hansehafen ist kein Museum, sondern ein Stück Stadt, das seit tausend Jahren an derselben Stelle liegt. Von seinen Kaimauern aus wurden einst Ewer be- und entladen, hier wurde gewogen und verzollt. Heute sitzen an denselben Mauern die Gäste der Cafés – und fast wäre aus all dem ein Parkplatz geworden.

Eine Schiffslände wird zum Hafen

Bevor es einen Hafen gab, gab es einen Landeplatz. Schiffe wurden an der natürlichen Schiffslände an der Schwinge an Land gezogen, nahe der Stelle, an der der Fluss noch die Gezeiten der Elbe spürt. Um das Jahr 1000 – kurz nach dem Wikingerüberfall, der Stade erstmals in die Chroniken brachte – baute man diese Lände zu einem richtigen Hafenbecken aus. Bis ins 13. Jahrhundert war Stade damit der wichtigste natürliche Hafen zwischen Cuxhaven und Harburg.

Um 1300 wurde das Becken verschwenkt, erweitert und mit seitlichen Kaimauern versehen. Seit dieser Zeit liegt der Hafen an seinem heutigen Platz und hat fast die Form, die man heute sieht. Eine umfangreiche Ausgrabung der Stadtarchäologie hat diese Geschichte in den letzten Jahren im Boden nachvollziehen können – mit Funden aus der Zeit von 1000 bis 2014. Damit die Schiffe überhaupt bis in die Stadt kamen, wurde die Schwinge vom 15. Jahrhundert an mehrfach vertieft.

Zwei Ufer, zwei Zeiten

Der Hafen ist ein langes Rechteck, an beiden Seiten von Straßen mit Fachwerkhäusern gesäumt. Die Häuser am Wasser West reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Die Zeile am Wasser Ost ist jünger, denn ihre ursprüngliche Bebauung fiel dem Stadtbrand von 1659 zum Opfer. Wer die beiden Seiten vergleicht, liest also zwei Kapitel Stadtgeschichte ab.

Im Südwesten, am Fischmarkt, schließt die Hudebrücke den Hafen ab – eine gemauerte Backsteinbrücke mit Tonnengewölbe, die 2014/15 für rund zwei Millionen Euro grundlegend erneuert wurde. Am anderen Ende, im Nordosten, steht seit 1792 das Schwingesiel, direkt neben dem 1705 fertiggestellten Schwedenspeicher, dem einstigen Proviantmagazin der schwedischen Garnison.

Der Tretkran am Hansehafen, Nachbau von 1977
Der Tretkran am Fischmarkt: 1977 nach Lüneburger Vorbild rekonstruiert, ohne die Mechanik im Inneren. — Foto: Roland Struwe (Sneecs) · CC BY 3.0

Der Kran am Fischmarkt

Das auffälligste Bauwerk am Hafen ist der hölzerne Tretkran auf der Südwestseite. Er ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1977, gebaut nach dem Vorbild des Alten Krans in Lüneburg und aufgestellt am früheren Standort des Stader Salzkrans von 1661. Der Nachbau zeigt die äußere Form, nicht aber die Mechanik im Inneren. Das baufällige Original war 1898 abgerissen worden; es hatte zuvor dem Be- und Entladen der Ewer gedient, jener flachen Frachtsegler, die Jahrhunderte lang den Verkehr auf Elbe und Schwinge bestimmten.

Ein zweiter, jüngerer Kran steht am Stadthafen: der elektrisch betriebene Hafenkran von 1927 aus dem Berliner Werk Bamag-Meguin, ursprünglich fahrbar, heute denkmalgeschützt. 1986 erstmals gesichert, 1999 am Kontergewicht repariert und vom Frühjahr 2007 bis Juni 2008 originalgetreu restauriert, erinnert er an die Zeit, als Stade noch Frachtschifffahrt in der Stadt hatte.

Gewogen und verzollt: die Stadtwaage

Zum Hafen gehörte die Stadtwaage von 1753, ein Fachwerkgebäude, das bis ins 19. Jahrhundert als Zollhaus diente. Mitte der 1970er Jahre sollte es abgerissen werden. Heute ist es saniert und wird als Wohn- und Geschäftshaus genutzt – ein Beispiel dafür, wie knapp manches am Hafen dem Verschwinden entging.

Wasser West mit dem hölzernen Tretkran
Wasser West: Die Häuser dieser Zeile reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. — Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0

1962: Die Flut und das Ende der Schifffahrt

Der Hansehafen war über tausend Jahre ein Tidehafen, über den Unterlauf der Schwinge mit der Elbe und ihren Gezeiten verbunden. Das änderte sich nach der großen Sturmflut vom Februar 1962, die den Norden der Altstadt unter Wasser setzte. Als Konsequenz wurde der Hafen 1968 durch ein Wehr und eine darüber geführte Straße vom Tidegewässer abgetrennt. Seitdem ist er nicht mehr schiffbar. Was er an Funktion verlor, gewann er an Ruhe: Das Wasser steht still, die Fassaden spiegeln sich, und der Hafen wurde zum Anziehungspunkt für Besucher.

Fast ein Parkplatz

Dass es dazu kam, war keineswegs selbstverständlich. Mitte der 1970er Jahre erwog der Rat der Stadt ernsthaft, den tausend Jahre alten Hansehafen zuzuschütten und an seiner Stelle einen Parkplatz anzulegen. Gleichzeitig stand die Stadtwaage zum Abriss. Es kam anders: Hafen und historische Bausubstanz blieben erhalten, der Schwedenspeicher wurde ab 1975 restauriert und 1977 als Museum eröffnet, im selben Jahr entstand der Tretkran. Aus dem Jahrzehnt, in dem der Hafen beinahe verschwand, wurde das Jahrzehnt seiner Wiederentdeckung.

Heute werden die historischen Kaimauern vor allem gastronomisch genutzt, besonders im Sommerhalbjahr. Der Hafen ist außerdem einer von mehreren Häfen an der Schwinge – doch nur dieser liegt so, dass man an seinem Rand einen Kaffee trinken kann, wo vor siebenhundert Jahren Kaufleute ihre Waren löschten. Mehr zu den Bauwerken rund um das Becken steht im Bereich Sehenswürdigkeiten.

Galerie

Der Hansehafen in der Abenddämmerung
Der Hansehafen in der Abenddämmerung — Foto: Dietmar Rabich · CC BY-SA 4.0
Blick über den Alten Hansehafen auf die Häuserzeile
Blick über den Alten Hansehafen auf die Häuserzeile — Foto: Fyrtaarn · CC BY-SA 4.0
Giebelhäuser und Cafés am Wasser West
Giebelhäuser und Cafés am Wasser West — Foto: Clemensfranz · CC BY-SA 4.0

Quellen

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